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Spinnweb aussehenden Staublappen doch mindestens jeden dritten Tag einmal über den
überall Berg und Tal zeigenden Barockrahmen hinzufahren, bei welcher Gelegenheit dann
das Bild, wenn auch nicht geradezu regelmäßig, so doch sehr, sehr oft von der Wand
herabglitt und über die Lehne weg auf das Sofa fiel. Es wurde dann je desmal beiseite
gestellt und nach dem Frühstück wieder eingegipst, was alles indes sen nicht recht half
und auch nicht helfen konnte, Denn die ganze Wandstelle war schon zu sch adhaft, und
über ein kleines, so brach der eingegipste Nagel wieder aus, und das Bild glitt herab.
'Gott', sagte Friederike, 'daß er da so gestanden hat, nu ja, das war ja vielleicht ganz
gut. Aber nu so gemalen ... es sitzt nich und sitzt nich.'
Und nachdem sie dies Selbstgespräch geführt und die Ofentür, was immer das letzte
war, wieder fest zugeschraubt hatte, tat sie Handfeger und Wischtuch wieder in den
Holzkorb und trat leise durch die lange Schlafstube hin ihren Rückzug in die Küche an. Es
war aber nicht mehr nötig, dabei so vorsichtig zu sein, denn alle vier Damen waren bereits
wach, und Manon hatte sogar den einen nach dem Hof hinausführenden Fe nsterflügel
halb aufgemacht, davon ausgehend, daß vier Grad unter Null immer noch besser seien als
eine vierschläfrige Nacht- und Stubenluft.
Keine Viertelstunde mehr, so kam der Kaffee. Die Damen saßen schon vorn in der
warmen Stube, die Majorin auf dem Sofa, Therese in ihrem Schaukelstuhl, während
Manon, einen Handwerkszeugkasten vor sich, eben diesen Kasten nach einem etwas
längeren Nagel, und zwar für den alten, wieder herabgefallenen 'Hochkircher',
durchsuchte.
'Friederike', sagte die Majorin, 'du solltest dich mit dem Bilde doch etwas mehr in acht
nehmen.'
'Ach, Frau Majorin, ich tu es ja, ich rühr ihn ja beinah nich an; aber er sitzt immer so
wacklig ... Gott, Manonchen, wenn Sie doch bloß mal einen recht lange n fänden oder,
noch besser, wenn Sie mal so nen richtigen Haken einschlagen könn ten. In acht nehmen!
Gott, ich denke ja immer dran, aber wenn er denn so mit einmal rutscht, krieg ich doch
immer wieder nen Schreck. Un is mir immer, als ob er vielleicht seine Ruhe nich hätte.'
'Ach, Friederike, rede doch nicht solch dummes Zeug', sagte Therese halb ärgerlich.
'Der, gerade der. Als ob der seine Ruhe nicht hätte! Was das nur h eißen soll! Ich sage dir,
der hat seine Ruhe. Wenn nur jeder seine Ruhe so hätte. Gut Gewissen ist das beste
Ruhekissen. Das weißt du doch auch. Und das gute Gewissen, na, das ha t er ... Aber wo
hast du nur wieder die Semmeln her? Die sehen ja wieder aus wie erschroc ken, viel
erschrockener als du. Ich mag nicht die Budikersemmeln. Warum gehst du nicht zu dem
jungen Karchow, das ist doch ein richtiger Bäcker.'
Es war dies eine zwischen dem Mädchen und dem Fräulein jeden dritten Tag
wiederkehrende Meinungsverschiedenheit, und Friederike, die vollkommene Redefreiheit
hatte, würde auch heute nicht geschwiegen und ihren alten Satz, 'd aß man es mit den
Kellerleuten nicht verderben dürfe', tapfer verteidigt haben, wenn es nicht in diesem
Augenblick draußen geklopft hätte. 'Der Briefträger', riefen alle drei Schwestern, und
gleich danach erschien auch Friederike wieder im Zimmer und brachte die Postsachen: ein
Zeitungsblatt unter Kreuzband, eine Holz- und Torfanzeige und einen richtigen Brief. Die
Holz- und Torfanzeige flog gleich aufs Ofenblech, das an Sophie adressierte Zeitungsblatt,
das wahrscheinlich eine Rezension einiger ihrer eben ausgestellten Aquar ellbilder enthielt,
wurde beiseite geschoben, und nur der Brief erregte allgemeine Freude. 'Von Leo!' riefen
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