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'Ich setze mich immer da, wo Kinder spielen.'
'Das solltest du nicht tun, Manon. Man ist auch da nicht sicher, oft da am wenigsten.
Und jedenfalls fehlt allem der Zauber des Unberührten; hier weiß ich, ich atme eine reine
Luft. Sieh doch, wie das da plätschert; bei uns ist alles trübe La che.'
Therese sprach noch weiter in dieser Richtung und verstieg sich dabei bi s zu hoher
Anerkennung der Tante. 'Sophie hat uns nicht zuviel geschrieben, eine Frau, in der alles
Frühere bis auf den letzten Rest getilgt ist. Es ist nicht jedem beschieden, dies von sich
sagen zu können. Wenn ich da an Mama denke ...'
'Du solltest nichts gegen Mama sagen. Mama ist gut und mußte viel tragen und hat es.
Das kann auch nicht jeder.'
Erst beim Tee sahen sich alle wieder. Manon sprach über die Gäste, über einzelne
Vorkommnisse, zuletzt auch über die Predigt. Der Geistliche hatte viel von Auferstehung
gesprochen, und die Tante richtete die Frage an Sophie, ob die Aufersteh ung nicht auch
durch einen Hergang aus dem Alten Testament dargestellt werden könne. Sie würde sich
freuen zu hören, daß das möglich sei.
'Ja', sagte Sophie, 'das Alte Testament hat einen Hergang, von dem man annimmt,
daß er die Auferstehung bedeute.'
'Und welcher ist das?'
'Es ist das der Moment, wo der große Walfisch den von ihm verschlu ngenen Propheten
Jonas wieder auswirft. Wie man zugestehen muß, sehr sinnreich. Ich fühle mich der
Aufgabe aber nicht gewachsen.'
'Gott sei Dank', sagte Manon in einem plötzlichen Anfall von Ü bermut.
'Sage das nicht, Kind', bemerkte die Tante. 'Dir erscheint es komisch; aber was
Jahrhunderte mit Ernst und Achtung angeschaut haben, darin seh ich immer etwas, was
man respektieren muß.'
Manon errötete und erhob sich dann und küßte der Tante die Hand .
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Man trennte sich früh, aber doch mit der Zusicherung, am andern Tage spätestens um
sieben beim Frühstück sein zu wollen. Es gab noch allerhand zu bes prechen. Da kam
man denn auch überein, daß Sophie, die nun schon so lange in halber Einsamkeit gelebt
habe, wieder mit nach Berlin zurückkehren solle, aber nur auf kurze Z eit. Sophie, so
äußerte sich die Tante, sei so gut und so klug und so bescheiden, daß ihre Nähe ihr ein
Bedürfnis geworden sei; sie müsse sich freilich in der großen Stadt erholen, aber je eher
sie zurückkehre, je lieber sei es ihr. Es wurde seitens der Tante festgesetzt, daß sie Mitte
November wieder in Adamsdorf eintreffen solle; mit dem Malen würde es dann in den
dunkeln Nebeltagen wohl vorbei sein, aber das schade nichts, und wenn So phie neben ihr
sitze und mit ihr ins Feuer sähe und des lieben Toten gedenke, so sei das noch besser als
das beste Bild. Als sie das sagte, reichte sie Sophie die Hand, und alle waren glücklich,
daß ein so herzliches Verhältnis zwischen den beiden bestehe. Selbst Therese freute sich;
ihr Familiengefühl war stärker als ihre persönliche Eitelkeit, und sie sah in dem Ganzen
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