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Es war ein Wintertag, der dritte Januar.
Eben kam Friederike von ihrem regelmäßi
Frühstückssemmeln in der einen,
einen Topf mit Milch in der andern Hand, beides, Semmeln
und Milch, aus dem Keller gegenüber. Die Finger, trotz wollen er Handschuhe,
waren ihr bei
der Kälte klamm geworden, und so nahm sie denn beim Ein treten in ihre
Küche den Teekessel aus dem Kochloch
und wärmte sich an der Glut. Aber nicht lange,
denn sie hatte sich, weil sie gegen
Morgen noch einmal eingeschlafen war , um eine halbe Stunde
verspätet, was natürlich wi
So machte sie
sich denn eifrig an ihre vom Brett genommene Kaffeemühle, schüttete,
so daß sie
nachher nur noch aufzugießen brauchte, das braune Pulver in den Beutel und
ging nun, nachdem
sie schließlich noch den Teekessel wieder in die Gl ut gestellt hatte, mit
ihrem Holzkorb
(dessen Boden übrigens jeden Augenblick herauszufalle n drohte) nach
vorn, um da das einfensterige Wohnzimmer
zu heizen. Hier kniete sie vor dem Ofen nieder
und baute Holz und Preßkohlen so kunstgerecht auf, daß es nur eines
einzigen Schwefelholzes,
allerdings unter Zutat eines aus Zeitungspapier zusammengedrehten
Zopfes, bedurfte, den künstlichen
Bau in Brand zu setzen.
Keine halbe Minute
verging, so begann es im Ofen auch wirklich zu knacke n und zu
knistern, und als Friederike nun wußte,
daß es brennen würde, stand sie von ihrem Ofenplatz
wieder auf, um sich ihrer zweiten Morgenaufgabe, dem Staubabwischen, zu
unterziehen. Hierbei, weil das, was
sie leistete, die drei Fräuleins doch nie zufriedenstellte,
verfuhr sie, so gewissenhaft sie sonst
war, ziemlich obenhin und beschränkte sich darauf,
eine über dem Sofa hängende
Bilderreihe, die Leo, 'Ahnengalerie
des Hauses Poggenpuhl' zu nennen pflegte, leidlich blank zu putzen. Drei
oder vier dieser
Bilder waren Photographien in Kabinettformat; die älteren aber gehörten
noch der Daguerreotypzeit
an und waren so verblichen, daß sie nur bei besonders
günstiger Beleuchtung noch auf
ihren Kunstwert hin geprüft werden konnten.
Aber diese 'Ahnengalerie'
war doch nicht alles, was hier hing. Unmittelbar über ihr
präsentierte sich noch ein Ölbild
von eini tschöpfung
dritten oder vierten
Ranges, die den historisch bedeutendsten Moment aus dem Leben der Familie
darstellte. Das meiste, was man darauf
sehen konnte, war freilich nur Pulverqualm, aber inmitten
desselben erkannte man doch ziemlich deutlich noch eine Kirche samt Kirchhof,
auf welch letzterem
ein verzweifelter Nachtkampf zu toben schien.
Es war der Überfall
von Hochkirch, die Österreicher bestens 'ajustiert', die armen
Preußen
in einem pitoyablen Bekleidungszustande. Ganz in Front aber stand ein älterer
Offizier in Unterkleid
und Weste, von Stiefeln keine Rede, dafür ein Gewehr in der Hand.
Dieser Alte war Major Balthasar von
Poggenpuhl, der den Kirchhof eine ha lbe Stunde hielt,
bis er mit unter den Toten lag. Eben dieses Bild, wohl in Würdigung seines
Familienaffektionswertes,
war denn auch in einen breiten und stattlichen Barockrahmen
gefaßt, während die bloß
unter Glas gebrachten Lichtbilder nichts als eine Goldborte
zeigten.
Alle Mitglieder
der Familie, selbst der in Kunstsachen etwas skeptische Leo mit
einbegriffen, übertrugen ihre
Pietät gegen den 'Hochkircher' - wie der Hochkirch-Major zur
Unterscheidung von vielen andern Majors
der Familie genannt wurde - auch auf die bildliche
Darstellung seiner ruhmreichen Aktion, und nur Friederike, sosehr sie den
Familienkultus mitmachte, stand mit
dem alten, halb angekleideten Helden auf einer Art Kriegsfuß.
Es hatte dies einfach darin seinen Grund, daß ihr oblag, mit ihrem alten,
wie
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