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man Antiquitäte, Ägyptisches Museum, man weiß nicht wie. Sieh zum Beispiel gestern.
Warum warst du nicht mit dabei?'
'Lieber Eberhard, Theater - es ist nichts mehr für mich.'
'Falsch, falsch. So denkt jeder. Aber ist man erst drin im Feuer, dann hat man auch das
alte Vergnügen wieder. Ich sage dir, Albertine, wenn du diesen Quitzow, diesen Dietrich
von Quitzow, gesehen hättest, Studie nach Bismarck, aber Bismarck Waisenknabe
daneben. Augenbrauen wie ne Schuhbürste. Müssen das Leute gewe sen sein. Und sein
Bruder soll noch toller ausgesehen haben, weil er bloß ein Auge hatte . Polyphem. Hieß er
nicht Polyphem?'
'Ich glaube, Eberhard. Wenigstens gibt es so einen.'
'Und dann nach dem Theater. In der Kneipe. Nun, die Kinder werden dir davon erzählt
haben und von diesem Herrn Manfred, diesem Klessentin. Ein reizender junger Kerl,
schneidig, frisch, humoristisch angeflogen. Ach, Albertine, mitunter ist mir doch so, als ob
alles Vorurteil wäre. Na, wir brauchen es nicht abzuschaffen; aber we nn andre sich
dranmachen, offen gestanden, ich kann nicht viel dagegen sagen. Es hat alles so seine
zwei Seiten. Adel ist gut, Klessentin ist gut, aber Herr Manfred ist auch gut. Überhaupt,
alles ist gut, und eigentlich ist ja doch jeder Schauspieler.'
'Ach, ich nicht, lieber Eberhard.'
'Nein, du nicht, Albertine. Dir ist es vergangen. Aber ich, ich bin einer. Sieh, ich spiele
den Gemütlichen, und ich darf nicht mal sagen, daß sich solche Sch auspielerei für einen
General nicht paßte. Da gibt es noch ganz andre Nummern, die auch all e Komödie
gespielt haben, Kaiser und Könige. Nero spielte und sang und ließ Rom anzünden. Jetzt
ist es Panorama, fünfzig Pfennig Entree. Denke dir, so billig ist alles geworden. Und vor
zehn Jahren, wie mir eben einfällt, waren hier sogar die Fackeln des Nero ausgestellt, ein
großes Bild. Damals war ich noch in Dienst, und ich sehe die große Leinwand noch vor
mir. Und du hast es vielleicht auch gesehen.'
'Nein, Eberhard, ich habe so was nie gesehen. Ich mußte mir dergle ichen immer
versagen. Du weißt schon weshalb.'
'Sprich nicht von versagen. Das Wort kann ich nicht leiden, m an muß sich nichts
versagen, und wenn man nicht will, braucht man auch nicht. Nun sieh, das war ein Bild, so
groß wie die Segelleinwand von einem Spreekahn oder wohl eigentlich noch größer, und
rechts an der Seite, ja, da war ja nun das, was die Gelehrten die Fa ckeln des Nero
nennen, und ein paar brannten auch schon, und die andern wurden eben angesteckt. Und
was glaubst du nun wohl, Albertine, was diese Fackeln eigentlich waren?
Christenmenschen waren es, Christenmenschen, in Pechlappen einbandagiert, und sahen
aus wie Mumien oder wie große Wickelkinder, und dieser Nero, der Veranstalter von all
dieser Gräßlichkeit, der lag ganz gemütlich auf einem goldenen Wagen, und zwei
goldfarbne Löwen davor, und der dritte Löwe lag neben ihm, und er kraute ihn in seiner
Mähne, als ob es ein Pudel wäre. Und nun sieh, dieser selbige Nero, der sich so was
leisten konnte, der die ganze Welt, ich glaube bis hier in unsre Berliner Gegend,
beherrschte, der sang und spielte auch, geradeso wie dieser Herr von Kle ssentin, und da
frag ich mich denn: Ja, warum soll er nicht, dieser junge Mensch? Wenn ein Kaiser
spielen darf, warum soll Klessentin nicht spielen? ein unbescholtener junger Mann, der
wahrscheinlich niemals ne Fackel angesteckt hat, am wenigsten solche .'
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