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Darin waren sich die drei Schwestern gleich, trotzdem ihre sonstigen Charaktere sehr
verschieden waren.
Therese, schon dreißig, konnte (was denn auch redlich geschah) auf den ersten Blick
für unpraktisch gelten und schien von allerhand kleinen Künsten eigentlich nur die eine,
sich in einem Schaukelstuhle gefällig zu wiegen, gelernt zu haben; in Wirklichkeit aber war
sie geradeso lebensklug wie die beiden jüngeren Schwestern und bebaute nur ein sehr
andres Feld. Es war ihr, das stand ihr fest, ihrer ganzen Natur nach die Aufgabe
zugefallen, die Poggenpuhlsche Fahne hochzuhalten und sich mehr, als es durch die
Schwestern geschah, in die Welt, in die die Poggenpuhls nun mal gehör ten, einzureihen.
In den Generals- und Ministerfamilien der Behren- und Wilhelmstraße war sie denn auch
heimisch und erzielte hier allemal große Zustimmung und Erfolge, wenn sie beim Tee von
ihren jüngeren Schwestern und deren Erlebnissen in der 'seinwollenden Aristokratie'
spöttisch lächelnd berichtete. Selbst
genommen, längst aufgehört hatte, sich durch irgend etwas Irdische s noch besonders
imponieren zu lassen, kam dann in eine vergnüglich liebenswürdige Heiterkeit, und der der
Generalsfamilie befreundete, schräg gegenüber wohnende Unterstaatssekretär, trotzdem
er selber von allerneustem Adel war (oder vielleicht auch eben deshalb), zeigte sich dann
jedesmal hingerissen von der feinen Malice des armen, aber standesbewußten Fräuleins.
Eine weitere Folge dieser gesellschaftlichen Triumphe war es, daß Therese, wenn es
irgend etwas zu bitten gab, auch tatsächlich bi
muß, nie für sich selbst oder aber, klug abwägend, immer nur um solche Dinge
petitionierte, die man mühelos gewähren konnte, was dann dem Gewährenden eine ganz
spezielle Befriedigung gewährte.
So war Therese von Poggenpuhl.
Sehr anders erwiesen sich die beiden jüngeren Schwestern, die, den Ve rhältnissen und
der modernen Welt sich anbequemend, bei ihrem Tun sozusagen in Compagnie gingen.
Sophie, die zweite, war die Hauptstütze der Familie, weil sie das besaß, was die
Poggenpuhls bis dahin nicht ausgezeichnet hatte: Talente. Möglich, da ß diese Talente bei
günstigeren Lebensverhältnissen einigermaßen zweifelvoll angese hen und mehr oder
weniger als 'unstandesgemäß' empfunden worden wären, bei der bedrückten Lage
jedoch, in der sich die Poggenpuhls befanden, waren diese natürlichen Gaben Tag für Tag
ein Glück und Segen für die Familie. Selbst Therese gab dies in ih ren ruhigeren
Momenten zu. Sophie - auch äußerlich von den Schwestern verschiede n, sie hatte ein
freundliches Pudelgesicht mit Löckchen - konnte eigentlich alles; sie war musikalisch,
zeichnete, malte, dichtete zu Geburtstagen und Polterabenden und konnte einen Hasen
spicken; aber alles dies, soviel es war, hätte für die Familie doch nur die halbe Bedeutung
gehabt, wenn nicht neben ihr her noch die jüngste Schwester gewesen w äre, Manon, das
Nesthäkchen.
Manon, jetzt siebzehn, war, im Gegensatze zu Sophie, ganz ohne Begabung, besaß
aber dafür die Gabe, sich überall beliebt zu machen, vor allem in Bankierhäusern, unter
denen sie die nichtchristlichen bevorzugte, so namentlich das hochangesehene Haus
Bartenstein. Bei dem Kindersegen der Mehrzahl dieser Häuser war nie Mangel an
angehenden Backfischen, die mit den Anfängen irgendeiner Kunst oder W issenschaft
bekannt gemacht werden sollten, und ein über die verschiedensten Disziplinen
angestrengtes längeres oder kürzeres Gespräch endete regelmäßig mit der leicht
hingeworfenen Bemerkung Manons: 'Ich halte es für möglich, daß meine Schwester
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