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'Eine solche Villa, mein lieber
Klessentin, würden Sie vorziehen. Das ist das, was ich
eine gesunde Reaktion nenne. Gott gebe
seinen Segen dazu. Ja, Park mit R eh und Wasserfall
und mit alten Platanen, im Herbste goldgelb - das hat es mir auch angetan.
Aber solange Sie nun noch mitmachen,
ist da nicht ein Avancement möglich?'
'Schwerlich,
Herr General.'
'... Und
wenn nicht - verzeihen Sie meine N eugier,
aber ich interessiere mich für all dergleichen
-, also wenn nicht, in welchem Rollenfache hat man Sie denn eigentlich zu
suchen? Wenn ich wieder auf meinem
Gute sitze und nehme die Zeitung und lese: Morgen,
Mittwoch: 'Wilhelm Tell', so will ich, nachdem ich das Vergnügen
Ihrer Bekanntschaft
gehabt habe - denn Sie gefallen mir außerordentlich, Herr von Klessentin;
verzeihen Sie,
daß ich Ihnen das so ohne weiteres sage -, so will ich doch wissen, wo ich
Sie im Tell
unterzubringen habe; für den Attinghaus sind Sie zu jung und für
den Geßler nicht
dämonisch genug; aber vielleicht Rudenz.'
'Sie greifen
immer noch um etliche Stufen zu hoch, Herr General. Es gibt allerdings ein
paar Ausnahmefälle, so zum Beispiel
heute abend, wo ich mich als Quit zowscher Bannerträger
von dem eigentlichen Gros um ein geringes abheben durfte, im ganzen aber
dürfen mich der Herr General immer
nur da suchen, wo Sie Gruppen und Rubriken finden: Erster
Bürger, zweiter Mörder, dritter Pappenheimer; so sind mir die Würfel
gefallen. Speziell
im Tell bin ich natürlich mi dann
später das Alpenglühen dicht hinter mir. Trotzdem - ich habe bis jetzt
immer nur den Meier
von Sarnen und ein einziges Mal auch den Auf der Mauer gespielt, u nd ich darf
hinzusetzen,
mein Ehrgeiz versteigt sich überhaupt nicht höher als bis zu Rösselmann.
Ein schwacher
Aufstieg. Aber um Ihnen nichts zu verschweigen, man verletzt auch schon
durch ein so bescheidenes Avancement
andrer Interessen. Und so viel liegt mir wieder nicht
dran.'
'Bravo,
bravo. Ganz mein Fall. Nur nicht andre beiseite schieben, nur nicht über
Leichen.'
'Und dann, Herr General, wie man
mit Recht sagt, daß auch die kleinen Existenzen ihre
großen Momente haben, so ganz
besonders auch beim Theater. Da ist beinahe keiner unter
den mir gleichgestellten Kollegen, der sich nicht sagte: Ja, dieser Matkowsky!
dieser Matkowsky
spielt den Mortimer und den Prinzen in Calderons 'Leben ein Traum',
und er spielt
beide gut, sehr gut; aber den Frießhardt (das ist, Verzeihung, der Kriegsknecht,
der vor Geßlers
Hut Wache steht) oder den Deveroux, der den Wallenstein mit der Partisane
niederstößt, oder die Hexe
im 'Faust' oder - verzeihen Sie, meine Damen, daß ich meine
Beispiele anscheinend mit Vorliebe
grade aus dieser Sphäre nehme - die dritte 'Macbeth'-
Hexe, die spiele ich, da bin ich ihm
über, diesem Matkowsky ... Und s olche glücklichen
Momente habe ich auch.'
'Mir
sehr interessant, mein lieber Herr von Klessentin. Und nun mü ssen Sie auch
noch einen Schritt
weiter gehn und außer dem Meier von Sarnen, von dem ich, offen
gestanden, eine nur dunkle Vorstellung
habe, mir also außer diesem Me ier von Sarnen noch
ein paar andre Ihrer Paradepferde nennen, klein oder groß, denn man kann
bekanntlich auch
auf einem Pony paradieren.'
'Es schmeichelt
mir, soviel freundlichem Interesse bei Ihnen zu begegnen, und ich
wünsche nur, daß meine gern
abzulegenden Geständnisse mich um d ies freundliche
Interesse nicht bringen mögen.
Meine Begabung, wenn überhaupt von einer solchen die
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